Hast du das Gefühl, dass du manchmal zu viel erfährst? Zu intensive Gefühle, zu viel Lärm, zu viele Menschen? Willst raus aus der wuseligen U-Bahn oder weg von der Party, auf der du in ödem Small-Talk gefangen bist? Gleichzeitig sehnst du dich aber nach einem Rudel von Menschen mit dem du tun kannst, was du wirklich liebst?

Vielleicht erkennst du dich wieder. Das alles können Anzeichen sein, dass du zu den hochsensiblen Männern gehörst. Muss aber nicht. Hochsensibilität ist wie alles individuell.

Wichtig ist zu wissen, dass Hochsensibilität keine Krankheit ist.

Hochsensible Männer sind nicht immer leicht zu erkennen, da die Gesellschaft uns darauf getrimmt hat diese Seite abzulehnen. Viele verbergen sich hinter einer Maske aus Scham und dem Gefühl nicht männlich genug zu sein.

Dass ich sensibler war als andere Kinder habe ich besonders auf Geburtstagspartys meiner Grundschulfreunde gemerkt. Wenn es hektisch zuging, alle wild durcheinander tobten, und vielleicht sogar noch Leute anwesend waren, die ich nicht kannte, habe ich mich schnell unwohl gefühlt und mich nach einem Rückzugsort gesehnt.

Ich habe viel nachgedacht und gerne Zeit alleine in meinem Zimmer verbracht mit Büchern und Musik. Den Schriftstellern und Musikern habe ich mich immer verbunden gefühlt. „Geh doch mal nach draußen und spiel mit anderen.“ hieß es dann oft.

In diesem Beitrag erfährst du, ob du zu den hochsensiblen Männern gehörst und was die vier Merkmale für Hochsensibilität sind.

Bitte lies dir den Beitrag von Anfang bis Ende durch. Nur so kannst du dir wirklich sicher sein, ob du hochsensibel bist, oder ob die Symptome, die du zeigst, vielleicht auf eine andere Ursache zurückzuführen sind.

Dieser Beitrag enthält:

Die vier Indikatoren

-Gründliche Informationsverarbeitung

-Übererregbarkeit

-Emotionale Intensität

-Sensorische Empfindlichkeit

Die HSP Skala (Test für Hochsensibilität)

Die vier Indikatoren für Hochsensible (Männer)

Die vier Merkmale für Hochsensibilität stammen von Elaine Aron, einer US-amerikanischen Psychologin, die Hochsensibilität bereits seit den frühen 90ern erforscht. Sie hat sie unter dem Begriff DOES zusammengefasst.

DOES steht für:

Depth of Processing (Gründliche Informationsverarbeitung),

Overarousability (Übererregbarkeit),

Emotional Intensity including Empathy (Emotionale Intensität oder Reaktivität inklusive Empathie),

Sensory sensitivity (Sensorische Empfindlichkeit)

 

Laut ihr müssen all diese Merkmale seit der frühen Kindheit vorliegen und dürfen nicht etwa Folge eines Traumas sein. (Darauf gehe ich später noch genauer ein)

Was du unter den Begriffen genauer verstehen kannst, erfährst du jetzt.

Gründliche Informationsverarbeitung bei hochsensiblen Männern

Die gründliche Informationsverarbeitung ist der natürliche Prozess, der in uns hochsensiblen Männern abläuft, der auch die restlichen Merkmale des DOES nach sich zieht.

Jeder Reiz, jede Erfahrung, jedes Gefühl wird besonders tief verarbeitet. Man kann es sich wie einen Filter im Kopf vorstellen, der mehr durchlässt, als bei Normalsensiblen.

Wie fast alles hat das seine schönen und nicht so angenehmen Seiten.

Dadurch das wir Gefühle besonders stark fühlen, profitieren wir mehr von positiven Erlebnissen als Normalsensible. Allerdings nehmen uns negative Erlebnisse auch stärker mit und wir neigen dazu damit mit „problematischem“ Verhalten zu reagieren.

So ist bei Hochsensiblen z.B. eine Beziehungsunfähigkeit recht verbreitet, wegen stark gespürter Ablehnung durch einen oder mehrerer Elternteile in der Kindheit.

Typische Alltagssituationen können sein:

-Langes Grübeln und Nachdenken über Geschehnisse des Tages. Gerade wenn diese eher negativ oder unharmonisch waren z.B. eine Unstimmigkeit/Streit zwischen dir und einem Freund, oder eine starke Kritik.

-Wenn du zwei Menschen interagieren siehst, kannst du oft Spannungen zwischen diesen bemerken, obwohl du sie nicht kennst.

-Tiefe Berührung durch Kunst

Übererregbarkeit bei hochsensiblen Männern

Wie fühlt sich Übererregung für mich an?

Meine Wahrnehmung verändert sich leicht bis stark und Reize fühlen sich „stacheliger“ an. Ich habe dann einfach genug und bin satt.

Wenn ich dann nicht schnell Erholung und Ruhe finde, kann das schnell in völliger Ermüdung enden.

Kurzum: Mein Erregungsniveau ist zu hoch und muss heruntergefahren werden.

Unser Erregungsniveau ist der Aktivierungsgrad unseres Nervensystems. Wir hochsensible Männer haben ein besonders reaktives und empfindliches zentrales Nervensystem.

Man kann sich das Erregungsniveau wie einen Akku vorstellen, der sich mit Eindrücken auflädt, und bei Überladung anfängt zu glühen und irgendwann explodiert.

Da wir alles besonders tief verarbeiten ist dieser Akku schneller und mit weniger Eindrücken vollgeladen als bei Normalsensiblen.

Ein gutes Beispiel, das mir dazu einfällt ist ein Besuch bei Ikea. Während andere danach gleich mit dem Aufbau der neuen Möbel anfangen, brauche ich erstmal eine ausgiebige Pause, um mich von dem Trubel zu erholen. Meistens baue ich die Möbel erst am nächsten Tag auf.

Wir sind sehr Energie-sensitiv und nehmen viel um uns herum wahr, was uns oft überfordert.

Wir Menschen fühlen uns in der Regel am wohlsten in einem Erregungsniveau, das irgendwo zwischen gelangweilt und gestresst liegt.

Vorrübergehende Übererregung ist unproblematisch. Wird sie aber chronisch hat das negative Folgen für unsere Gesundheit. Der anhaltende Stress führt zu einem Anstieg des Cortisolspiegels führt, was wiederum zu Schlafstörungen, Ängstlichkeit und depressiven Verstimmungen führen kann.

Deshalb ist es für uns hochsensible Männer besonders wichtig einen Lebensstil zu pflegen, bei dem wir uns vorwiegend in unserer Mitte befinden, und nicht ständig in einem Zustand der Übererregung herumgeistern.

Wie du gezielt aus diesem Zustand der Übererregung herunterfährst oder ihn überhaupt erst vorbeugen kannst, zeige ich dir in meinem Artikel 5 Rituale gegen Reizüberflutung, der nächste Woche erscheint.

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close up photography of man s face at night time
Photo by Dương Nhân on Pexels.com

Emotionale Intensität oder Reaktivität bei hochsensiblen Männern

Wir reagieren in der Regel stärker auf Gefühle. Unsere Gefühle gegen mit Erinnerungen, inneren Bildern und Gedanken einher.

Wenn es um die Einschätzung geht, ob du hochsensibel bist oder nicht ist wichtig, dass es sich um die ganze emotionale Palette handeln muss. Von Trauer, bis Wut und Freude.

Ausserdem dürfen die Gefühle nicht erst seit kurzem besonders intensiv sein. Nach einem erlebten Trauma kann das nämlich der Fall sein.

Eine Sache mit der ich immer wieder mit meiner emotionalen Intensität im Alltag konfrontiert werde, ist eine starke Reaktion auf mein Hungergefühl. Habe ich lange nichts gegessen, fühle ich mich stark unwohl, erschöpft und manchmal sogar leicht ängstlich und reagiere schnell gereizt, gerade wenn ich noch irgendwas erledigen soll.

Außerdem ist ein starkes Empathie Gefühl bei Hochsensiblen Männern vorhanden. Wir können uns gut in andere einfühlen und ihre Bedürfnisse erkennen und nachvollziehen. Das muss sich nicht nur auf Menschen beziehen. Es gibt auch Hochsensible, die ein starkes Empathievermögen für Tiere haben, und sich deshalb vegetarisch oder vegan ernähren.

Typische Alltagssituationen können sein:

-Starke Reaktion auf Stress bei Arbeit

-Impulsives Handeln, Planänderungen

-Plötzliche Niedergeschlagenheit bei Sicht von Obdachlosen oder anderen Leidenden

-Bei starken Emotionen ist es als würde man von einer Welle erfasst werden

Sensorische Empfindlichkeit bei hochsensiblen Männern

Der Klassiker für sensorisches Empfindlichkeit ist, dass viele Hochsensible keinen Kaffee trinken, da das Koffein einfach zu stark stimulierend wirkt. Da wir ohnehin schon viel wahrnehmen, wird unsere Wahrnehmung dadurch nochmal zusätzlich hochgefahren, was schnell zur Ermüdung führt.

Elaine Aron sagt über sensorische Empfindlichkeit: „Manchmal äußert sich sensorische Empfindlichkeit als niedrige Reizschwelle, manchmal als die Fähigkeit, Feinheiten zu unterscheiden, und manchmal als geringe Toleranz gegenüber einem hohen Maß an Sinnesreizen.“

Ich fühle mich z.B. in stickigen Räumen sehr schnell unwohl oder wenn das Licht sehr grell ist. Außerdem mag ich keine Winterkleidung, wie klobige Stiefel oder Jacken, da ich mich darin schnell eingeengt fühle und mir die Bewegungsfreiheit fehlt.

Weitere Alltagsbeispiele können sein:

-starke Reaktion auf Alkohol und Drogen

-Empfindlichkeit gegen hohe und niedrige Temperaturen

-Zwischen den Zeilen lesen in sozialen Interaktionen

 

Wenn du dir jetzt noch nicht ganz sicher bist, ob du ein hochsensibler Mann bist, kann ich dir empfehlen dir die HSP Skala anzusehen, die du im Folgenden findest.

 

HSP Skala (Test für Hochsensibilität)

Die HSP Skala ist ein Test für Hochsensibilität. Die Version, die du hier findest ist eine vereinfachte Version mit 27 Fragen. Markiere dir die Aussagen, die auf dich einigermaßen zutreffen. Sei dabei ganz ehrlich, und überlege nicht bzw. mache deine Antwort nicht davon abhängig, was andere denken könnten, wenn du so etwas über dich sagst.

Ich fühle mich durch starke Sinneseindrücke leicht überwältigt.

Ich scheine Feinheiten in meiner Umgebung wahrzunehmen.

Die Stimmungen anderer Menschen beeinflussen mich.

Ich reagiere eher empfindlich auf körperlichen Schmerz.

Ich habe an geschäftigen Tagen das Bedürfnis, mich zurückzuziehen – entweder ins Bett, in einen abgedunkelten Raum oder an einen anderen Ort, wo ich alleine sein und mich von Reizen erholen kann.

Auf Koffein reagiere ich heftiger als viele andere Menschen.

Ich fühle mich schnell überwältigt von Dingen wie grellen Lichtern, starken Gerüchen, rauen Stoffen oder Sirenen.

Ich habe ein reiches, vielschichtiges Innenleben.

Laute Geräusche bereiten mir Unbehagen.

Kunst oder Musik bewegen mich tief.

Manchmal liegen meine Nerven derart blank, dass ich nur noch allein sein möchte.

Ich bin ein gewissenhafter Mensch.

Ich bin schreckhaft.

Es bringt mich leicht aus der Fassung, wenn ich in kurzer Zeit viel erledigen muss.

Wenn andere Menschen sich in einer Umgebung unwohl fühlen, weiß ich eher als manche andere, was notwendig ist, um Wohlbefinden herzustellen (zum Beispiel durch eine Veränderung der Beleuchtung oder der Sitzordnung).

Ich bin genervt, wenn man von mir erwartet, zu viele Dinge gleichzeitig zu tun.

Ich gebe mir große Mühe, Fehler zu vermeiden oder Dinge nicht zu vergessen.

Fernsehsendungen oder Filme mit Gewaltszenen vermeide ich bewusst.

Ich fühle mich unangenehm erregt, wenn sich um mich herum viel abspielt.

Großer Hunger löst in mir starke Reaktion aus, er stört meine Konzentration und beeinträchtigt meine Stimmung.

Veränderungen in meinem Leben beunruhigen mich.

Ich bemerke und genieße feine Düfte und Geschmäcker, schöne Klänge oder Kunstwerke.

Ich empfinde es als unangenehm, wenn vieles um mich herum auf einmal geschieht.

Für mich ist es sehr wichtig, mein Leben so zu organisieren, dass ich Situationen vermeide, die mich aufregen oder überwältigen.

Mich stören intensive Reize wie laute Geräusche oder chaotische Szenen.

Wenn ich mit anderen Menschen konkurrieren muss oder beobachtet werde, während ich eine Aufgabe erfülle, macht mich das so nervös und hektisch, dass ich weitaus schlechter als sonst abschneide.

Als Kind haben meine Eltern oder Lehrer mich als sensibel oder schüchtern angesehen.

 

 

Ich hoffe ich konnte dir mit diesem Beitrag etwas Klarheit verschaffen.

Falls du weitere Beiträge zum Thema ›Hochsensibilität als Mann leben‹ erhalten möchtest, dann trage dich für den Newsletter ein. Ich habe viele Tips und Anregungen, dich ich gerne mit dir teilen möchte.

Bis bald.

 

 

 

 

 

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